Das Portal

Das Portal – Bauhaus inspiriertes Lichtdesign von Jörg Schuchardt

Tauchen Sie ein in die Welt der schrillen Theaterkomödie von Nis Momme Stockmann, die am 19. Januar 2024 unter der Regie von Herbert Fritsch am Schauspiel Stuttgart uraufgeführt wurde.

Die Inszenierung setzt nicht nur auf witzige Dialoge und eine mitreißende Handlung, sondern auch auf ein beeindruckendes Lichtdesign von Jörg Schuchardt.

Das Lichtdesign von ist mehr als nur eine technische Komponente – es ist eine künstlerische Meisterleistung, die das Publikum in die surreale und dynamische Atmosphäre der Theaterwelt eintauchen lässt. Jörg Schuchardt, der kreative Kopf hinter dem Lichtkonzept, lässt sich von den Prinzipien des Neoplastizismus inspirieren, einem Stil, der eng mit der Bauhaus-Kunst verbunden ist.

Die Bühne erstrahlt in einem bunten und fortwährend wechselnden Licht, das in geometrischen Formen tanzt und so eine visuelle Harmonie im Stil des Neoplastizismus schafft. Dieses Lichtspiel fängt nicht nur die Essenz der Theaterproduktion ein, sondern dient auch als künstlerischer Ausdruck der Konflikte und Spannungen, die in der Handlung auf dramatische Weise entfaltet werden.

Die Verwendung von geometrischen Formen im Lichtdesign ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern auch symbolträchtig. Es spiegelt die Vielschichtigkeit der Theaterwelt wider, in der verschiedene Charaktere, Motive und Intrigen miteinander verflochten sind. Das Spiel mit Licht und Schatten wird zu einem metaphorischen Element, das die Ambivalenz und Paradoxie des Theaters als Ort der Höhen und Tiefen unterstreicht.

Inmitten des chaotischen Geschehens auf der Bühne, wo Generalintendant Geldoff um Vertragsverlängerung kämpft und Chefdramaturg Eisenstern einen Putsch plant, wird das Lichtdesign zu einem zentralen Akteur. Es unterstützt nicht nur die Handlung, sondern hebt auch die emotionalen Nuancen und theatralen Höhepunkte hervor.

Die Produktion präsentiert sich als eine Hommage an das Theater in all seiner Komplexität, Schönheit und Grausamkeit. Das Lichtdesign von Jörg Schuchardt fügt diesem Gesamtkunstwerk eine weitere Dimension hinzu, die das Publikum in eine visuelle Symphonie entführt und die Theaterszene mit einem zeitgemäßen Neoplastizismus erlebbar macht. Erleben Sie eine Theaterproduktion, bei der das Licht nicht nur beleuchtet, sondern auch eine Geschichte erzählt.

Presse:

FAZ:

Herbert Fritsch, der deutsche Theatermeister der Komik, braucht für seine Inszenierungen nicht unbedingt Stücke mit Text. Sie funktionieren in Chaplin’scher Stummfilm-Ästhetik durch die totale Überzeichnung der Charaktere, ihre ständige Wiederholung absurder Handlungen, durch präzise in das Bühnenbild hineinkomponierte lebendige Bilder aller Ensemblemitglieder im Raum und die Bereitschaft der Schauspieler, sich für keinen Spaß zu schade zu sein.

Nis-Momme Stockmann, der lange als einer der verheißungsvollsten deutschen Nachwuchsdramatiker galt und in langen Textblöcken von der Verlorenheit seiner Außenseiterfiguren erzählte, hat sich trotzdem gewünscht, dass Fritsch die Uraufführung seines neuen Theaterstücks übernimmt. Denn der Autor hat sich auf ein neues, schwieriges Terrain vorgewagt: „Das Portal“ ist eine Komödie, eine schrille Persiflage auf den Theaterbetrieb selbst, und bei Fritsch kann man sich sicher sein, dass er das Publikum zum Lachen bringt.

Es geht um die Mitarbeiter des finanziell desaströs dastehenden Theaters Helios, in dem es vor Intrigen nur so wimmelt. Chefdramaturg Eisenstern (Sebastian Röhrle) möchte, dass auch das neue Stück ein Flop wird, damit er danach das Haus übernehmen kann, für Intendant Elias Geldoff ist die Premiere ein letzter Versuch, sich bei der Kulturpolitik zu beweisen. Das Stück spielt mit allen möglichen Theaterklischees…

Aber es geht nicht nur um Klischees, sondern auch um eine Reflexion über das Theater selbst, über Machtmissbrauch, die Legitimation von Theater in Zeiten knapper Kassen. Stockmanns Text ist lustig, intelligent, selbstreferenziell, schwachsinnig, ernsthaft, kitschig, größenwahnsinnig. Er schert sich nicht um seine Umsetzbarkeit – aber es erstaunt auch nicht, dass die Horde von 3000 Dämonen und der aus 25 Kindern bestehende Chor in Fritschs Version nicht vorkommen.

Als Erster macht sich Sebastian Blomberg den Text zu eigen, den Fritsch zusammen mit der Livemusikerin und Künstlerin Charlie Casanova aus Berlin nach Stuttgart mitgebracht hat. Optisch an einen Stummfilm-Mephisto erinnernd, eröffnet er als Intendant Elias Geldoff in der Mitte der riesigen Bühne den Abend, indem er tänzelnd und überkandidelt einen Monolog über Schwellen von Türen in die Welt des Theaterbetriebs hält.

Auf der Rückwand der Bühne und dem Bühnenboden sind gelbe, blaue und rote Lichtkreise, Rechtecke und Quadrate zu sehen, die an Farbfiguren von Klee und Kandinsky erinnern.

Der Abend wimmelt von Szenen, die man sich immer wieder ansehen könnte, weil Fritsch wie gewohnt aus den Schauspielern maximale Spiellust herauskitzelt und szenisch furchtlos mit den vielen abenteuerlichen Vorgaben des Textes umgeht – wenn im Text etwa Gewitterböen das Theatergebäude auseinanderreißen wollen, rennen die Schauspieler bei Fritsch mit scheppernden Blechrahmen über die Bühne.

Kritikenrundschau

“Stockmanns Stück jongliert, wenn auch nicht klischeefrei, zwischen bitterem Humor und brillanten Einfällen”, schreibt Otto Paul Burkhardt im Schwäbischen Tagblatt (22.1.2024). Hinter allem verberge sich auch eine “weitherzige Ironie, ja, eine Liebeserklärung ans Theater”. Fritsch treibe das Ganze in “eine Farce” und “durchgeknallte Spaßchoreografie”, bei der das Ensemble zu überzeugen wisse. Es gelinge “trotz einiger Abstriche” eine “böse, doch irgendwie liebenswerte Satire, von der Regie mit viel Speed ins Bizarre verschärft”, so der Kritiker.

“Dieses Theater will weder die Welt abbilden noch entschlüsseln. Es ist eine Feier des Spielerischen. Was Fritsch an den Bühnenmitteln spart, lässt er seine Truppe ins Körperliche legen”, schreibt Jakob Hayner in der Welt (22.1.2024). Dabei sei der “ernste Kern” des Klamauks, “dass das Spiel nur frei ist, wo es geschützte Räume hat”, so der Kritiker, der zufrieden ergänzt: “Solange diese Kraft zur Selbstkritik vorhanden ist, kann es einem um das Theater schon etwas weniger bang werden.”

“Stockmanns Text ist lustig, intelligent, selbstreferenziell, schwachsinnig, ernsthaft, kitschig, größenwahnsinnig”, schreibt Grete Götze in der FAZ (23.1.2023). “Der Abend wimmelt von Szenen, die man sich immer wieder ansehen könnte, weil Fritsch wie gewohnt aus den Schauspielern maximale Spiellust herauskitzelt und szenisch furchtlos mit den vielen abenteuerlichen Vorgaben des Textes umgeht.” Und weiter: “Die leiseren, ernsthafteren Töne, in denen es um eine Reflexion über den Betrieb selbst geht, um die Frage, was die Theaterkunst eigentlich leisten soll, finden dagegen weniger Gehör.”

“Ein vergnügliches Chaos”, freut sich Björn Hayer in der taz (23.1.2023). “In dieser Groteske ausschließlich eine Finte auf das Theater zu sehen, griffe zu kurz. Denn Fritschs Setting versteht sich auch als allgemeingültige Reflexion über eine sich in Blasen und Echokammern abschottende Gesellschaft, eine, die den Blick nach außen sinnbildlich durch das Portal verlernt hat. Ihr raunt diese grandiose Premiere zu: Führt eure Diskurse, aber rüstet ab, beweist vor allem ein wenig mehr Mut zur Selbstironie.”